Autorin

Dieser Artikel wurde im Magazin "Katzen Extra Spezial" , Ausgabe 01/94 veröffentlicht. 

 

 

Rasseportrait "Abessinier-Katze" von Birgitta Kuhlmey

Abessinier, wildfarben, Bildquelle: fotolia.com

Abessinier - der Puma fürs Wohnzimmer

Als in England der erste Abessinier-Standard festgelegt wurde hatte man sicherlich zwei Vorbilder:

  • Den Puma für das goldbraune, streifenfreie Agoutifell - mit dem Touch von Wildheit und
  • die altägyptische Bastetkatze der Pharaonen für den eleganten Typ - verbunden mit dem zauberhaften Wesen.

 

Über die Herkunft der Abessinierkatze gibt es viele interessante Geschichten wie bei anderen Katzenrassen auch.

 

Abessinierkatze - die Legende

Nach einer Erzählung sollen Soldaten im Jahre 1868 Katzen auf dem Schiffsweg aus Ägypten nach England importiert haben. Man nannte diese Tiere "Abessinier" nach dem alten Namen Äthiopiens. Zula, eine dieser Katzen, benannt nach einem äthiopischen Hafen, soll die Stammutter aller Abessinier sein. Beweise für diese Geschichte gibt es allerdings nicht.

 

Abessinierkatze - die Tatsachen

Zula findet man auf der Titelseite als Lithographie in der Broschüre "Cats - thei Points and Classification" von Gordon Stables, der im Jahre 1877 die erste Beschreibung der Abessinier lieferte. Diese Lithographie zeigt eine hochbeinige, harmonisch wirkende Katze von mittlerer Größe. Der Kopf ist etwas gerundet, die Stirn ist breit, die Ohren sind relativ klein. Schnäuzchen und Nasendreieck sind weiß. Der Unterkiefer ist etwas fliehend. Der Schwanz ist sehr lang und zugespitzt. Das Fell sieht aus als sei es leicht gewellt, wodurch der Künstler wahrscheinlich das Ticking zum Ausdruck kommen lassen wollte. Streifen oder Flecken sind nicht zu sehen. Die Pfoten sind oval, die Augen sind schrägt gestellt.

Man vermisst die großen Ohren der afrikanischen Wildkatze.

 

Zula (Lithographie v. 1877) & ein Caracal, mögliche Vorfahren der Abessinier, Quelle: Abessijnen en Somalis von Jean-Paul Maas
Zula (Lithographie v. 1877) & ein Caracal, mögliche Vorfahren der Abessinier, Quelle: Abessijnen en Somalis von Jean-Paul Maas

1. Abessinier-Standard von 1889

Der Engländer Harrison Weir

einer der ersten Preisrichter für Katzen und Ausrichter der ersten Katzenausstellung der Welt,

hat im Jahre 1889 den ersten Abessinier-Standard ausgearbeitet, der ein für die Beurteilung von Katzen geeignetes Bewertungssystem enthielt.

 

In der Broschüre "Our Cats and all about them"

beschreibt der damalige Präsident des National Cat Club

die normale (eng.: usual, deutsch: wildfarben) goldbraune Fellfarbe

und die silbergraue Version, die man auch "Chinchilla Abessinier" nannte.

Diese Bezeichnung wurde aus der Kaninchenzucht entliehen.

 

1896 registrierte der National Cat Club (England) die erste Abessinierkatze. Somit gehören die Abessinier ohne Zweifel zu den ältesten anerkannten Katzenrassen.

 

Harrison Weir - "Our cats and all about them" 1892

Frances Simpson - Cats and all about them, 1902

Frances Simpson - The Book of the Cat, 1903

 

Abessinier wildfarben, Bildquelle: fotolia.com
Abessinier wildfarben

 

 

British-Ticks, Bunny-Cats oder Abessinier?

Um die Jahunderwende (18./19. Jahrhundert) gab es Streitigkeiten bezüglich des Namens der Abessinier. Die Mitglieder des englischen Cat Clubs und der Präsident Louis Wain wollten für die Nachkommen der Katzen aus Abessinien, die sich zwischenzeitlich mit den einheimischen britischen Katzen gepaart haben, den Namen "British Tick" oder "Bunny Cat" registrieren lassen, wogegen man im National Cat Club den Namen "Abessinier" bevorzugte. Gewonnen hat der Streit der National Cat Club und es blieb bei dem Namen Abessinier.

 

Es ist anzunehmen, dass sich die Abessinier bereits vor der Jahrhundertwende (18./19. Jahrhundert) aus Kreuzungen zwischen nach England importierten afrikanischen Katzen und englischen Tabbies bzw. den dort beheimateten Bunny Cats entwickelt haben.

Die Fellfarben "Red" und Silver gab es bei Abessinier-Katzen schon im 19. Jahrhundert

Dass vor der Jahrhundertwende (18./19. Jahrhundert) außer den goldbraunen und silbergrauen Abessinier auch schon die sogenannten "roten" Abessinier existiert haben, beweißt der rote Kater "Champion Southampton Red Rust". Er soll der erste Abessinier-Kater gewesen sein, der einen Champion-Titel bekommen hat. Das war im Jahre 1901.

 

Hellere, sandfarbene Kätzchen kamen schon in den allerersten Tagen der Abessinierzucht in den Nestern der wildfarbenen Abys vor. Erwünscht waren sie nicht. Erst als man dahinter kam, dass es sich hier um eine außergewöhnliche rezessiv vererbliche Farbvarietät handelte - nämlich um Brown Light - fanden diese Tiere Beachtung. In der Abessinierzucht nannte man diesen Farbschlag später "Sorrel" (1980, Anerkennung der Varietät Sorrel vom GCCF), aber erst nachdem man bemerkt hatte, dass es sich nicht um den geschlechtsgebundenen Farbschlag Red (Rot) handelte.

Sorrel ist genetisch brown light bzw. chocolate light bzw. cinnamon - drei Namen für ein und dieselbe Farbe. Das Tabbymuster der Varietät Sorrel ist dasselbe wie bei den anderen Farbschlägen der Abessinier - nämlich Ticked-Tabby.

Das Gensymbol für Brown Light ist: bl .

Cinnamon ist ein von Schwarz abgeleiteter Zimtton (engl. cinnamon).

Vieles deutet daraufhin, dass der Ursprung der Farbe Brown light bzw. Cinnamon bei den Abessiniern zu finden ist.

Die Varietät Sorrel variiert von Hellzimtfarben bis Kupferrot, wobei der wärmere Ton bevorzugt wird - wie bei den wildfarbenen Abessiniern. 

 

Abessinier sorrel und wildfarben, Bildquelle: uwhondenkat.nl
Abessinier sorrel (links), Abessinier wildfarben (rechts), Bildquelle: uwhondenkat.nl

Modefarbe "Silver" konnte sich bei Abessinier-Katzen nicht durchsetzen

1907 wurden die ersten Abessinier von England nach Amerika importiert. Es waren Silbergraue, denn zu der Zeit war der Silberfaktor sehr in Mode. Durchgesetzt hat sich dieser Farbschlag in den USA damals aber nicht.

Wahrscheinlich hat die goldbraune sowie die kupferfarbene Version des Haarkleides der Abessinier die Amerikaner mehr an den in ihrer Heimat lebenden Puma erinnert.

Jedenfalls wurden die rubby (wildfarben) Abyssinians bereits 1911 von der CFA (Cat Fanciers Assosiation) als Rasse anerkannt.

Die eigentliche Zucht dieser geschmeidigen, eleganten Katze, die nach dem Vorbild der Pharaonenkatze in England bereits vorgezüchtet war, begann in den USA aber erst in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts.

 

1. Aby-Club in England

Im Jahre 1929, als in England der erste Abyssinian Cat Club gegründet wurde, entstand mit Hilfe von verschiedenen Katzenzüchtern der endgültige Standard.

Zwischenzeitlich ist dieser Standard leicht modofiziert worden, blieb aber im Wesentlichen unverändert.

 

Inzucht zum Erhalt der Rassemerkmale

Wegen des 2. Weltkrieges in Europa wurden in den 30er Jahren viele, schöne Abessinier nach USA verschifft. 1945 soll es in England nicht einmal mehr ein Dutzende Abessinierkatzen gegeben haben. Um die Rasse nicht zu verlieren, wurde dort viel In- und Inzestzucht betrieben, aber auch Kreugungen mit anderen Rassen vorgenommen.

 

In Deutschland wurde die erste wildfarbene Abessinierkatze 1934 in Dresden geboren. Die eigentliche Zucht begann aber erst in den 50er Jahren mit einigen wenigen Züchtern. Weil es nur eine sehr begrenzte Anzahl von Zuchttieren gab, ließen sich auch in Deutschland zu enge Verpaarungen nicht vermeiden, die leider nicht ohne negative Auswirkungen blieben. Davon aber später.

 

 

Blue und sex-linked Red bei Absssinier-Katzen

In den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts wurden die ersten blauen Abessinier in England registriert. Auf dem europäischen Festland begann man in dieser Zeit mit der Zucht der genetisch roten Abessinier, in dem man rote Hauskatzen einkreuzte. Dieser Farbschlag hat sich bis heute auch nicht richtig durchsetzen können.

 

Weil es sich bei den Abessiniern um eine englische Schöpfung handelt, möchte ich keinen deutschen, sondern den englischen Rassestandard (GCCF, 1992) zitieren:

 

Abessinier wildfarben, Bildquelle: fotolia.com
Abessinier, wildfarben

 

 

Abessinier - Standard - GCCF, 1992

Typ

Fremdländischer (Anmerkung: schlank und elegant, nicht gedrungen oder kompakt) Typ von mittlerer Gestalt, fest, geschmeidig und muskulös, weder groß noch grob wirkend. Der Kopf ist breit und verläuft zu einem kräftigen Keil. Er sitzt auf einem eleganten Nacken. Der Körper ist von mittlerer Länge mit einem ziemlich langen, spitz zulaufenden Schwanz. Eine "gedrungene" Katze ist nicht zulässig.

 

Kopf

Der Kopf zeigt eine gemäßigte Keilform von mittleren Proportionen. Augenbrauen, Wangen, Stirn und Profillinien zeigen sanfte Konturen.Die Schnauze darf nicht scharf zugespitz sein. Zur Formung der Schnauze ist eine leichte Einbuchtung erlaubt, aber ein Pinch (Anmerkung: eingezogene Wangenlinien) ist ein Fehler. Im profil zeigt der Kopf eine sanfte Rundung bis zu den Augenbrauen, eine leichte Naseneinbuchtung und ein sehr kräftiges Kinn.

 

Ohren

Die Ohren sind weit auseinander gesetzt und straff aufgerichtet, breit an der Basis, verhältnismäßig groß, kelchförmig und tragen vorzugsweise Haarbüschel.

 

Augen

Weit auseinander gesetzt, groß, strahlend und ausdrucksvoll nach orientalischer Art gesetzt. Schielen ist ein Fehler. Farbe: bernstein-, haselnussfarben oder grün. Eine helle Augenfarbe ist unerwünscht.

 

Pfoten

Klein und oval.

 

Schwanz

Breit an der Basis, ziemlich lang und zugespitzt. Weder ein peitschenförmiger Schwanz noch ein Knickschwanz sind zulässig.

 

Fell

Kurz, fein und dicht anliegend mit doppeltem oder vorzugsweise dreifachem Ticking, d.h. zwei oder drei Farbbänder auf jedem Haar.

 

Zeichnungen

Es wird verlangt, dass die entsprechende dunklere Haarfarbe sich gut über die Fußsohlen der Hinterbeine erstreckt. Sie soll sich auch als einfarbige Spitze am äußersten Schwanzende zeigen. Fehlt das eine oder andere Merkmal, ist das ein Fehler. Rund um die Augen wird eine dunkel pigmentierte Linie gefordert deren abwesenheit ebenfalls ein Fegler ist.

 

Unerwünschte Zeichungen sind Streifen an Beinen, Brust und Schwanz. Eine geschlossene Halskette ist nicht erlaubt. abessinier neigen zu weißen Haaren im unmittelbarem Bereich der Lippen und des Unterkieferes und es ist fehlerhaft, wenn sich dieser weiße Bereich bis zum Hals erstreckt.

 

PUNKTE

Typ:                      
  Kopf, Ohren                                      15 Punkte
  Augen 10 Punkte
 

Körperform, Schwanz,

Pfoten, Fell, Haltung,

allgemeine Kondition

30 Punkte
Farbe:    
  Körperfarbe 25 Punkte
  Ticking

20 Punkte

   

 

Total:  

100 Punkte

Zeichnungen: Mit freundlicher Genehmigung von Frau Ingrid Filgraebe-Holland
Zeichnungen: Mit freundlicher Genehmigung von Frau Ingrid Filgraebe-Holland

 

 

Abessinier - anerkannte Farbschläge

Usual (wildfarben)

Die Körperfarbe ist ein sattes Goldbraun, schwarz getickt, der Haaransatz ist rötlich orange oder satt apricotferben. Der Bauch und die Innenseite der Beine sind rötlich orange oder satt apricotfarben und harmonieren mit der Drundfarbe auf dem Körper. Jegliche Schattierungen des Rückgrats muss in dunklerer Farbe gehalten sein. Die Schwanzspitze und die Sohlenstreifen der Hinterbeine müssen schwarz sein, der Nagelspiegel ist ziegelrot, die Fußballen sind schwarz.

Fehler: Fahle und kahle Gesamtfarbe, schwarzer oder grauer Haaransatz

Andere Bezeichnungen für den Farbschlag 

BLACK-TICKED-TABBY

bei Abessiniern:

Deutschland                    wildfarben
England usual
Amerika ruddy
Frankreich lièvre

Sorrel (Cinnamon)

Die Körperfarbe ist ein strahlendes Kupferrot, schokoladenfarben getickt, der Haaransatz ist tief apricotfarben. Der Bauch und die Innenseite der Beine sind tief apricotfarben und harmonieren mit der Grundfarbe auf dem Körper. Jegliche Schattierung des Rückgrats muss in dunklerer Farbe gehalten sein. Die Schwanzspitze und die Sohlenstreifen der Hinterbeine müssen schokoladenfarben sein, der Nasenspiegel und die Fussballen sind rosa.

Fehler: Fahle oder sandige Farbe

Blue

Die Körperfarbe ist blaugrau mit weichem, warmen Effekt, stahlblau getickt, der Haaransatz ist hafermehlfarben. Der Bauch und die Inneseite der Beine sind hafermehrlfarben und harmonieren mit der Grundfarbe auf dem Körper. Jegliche Schattierung des Rückgrats muss in dunklerer Farbe gehalten sein. Die Schwanzspitze und die Sohlenstreifen müssen stahlblau sein, der Nasenspiegel ist dunkelrosa, die Fußballen sind blau-malvenfarben.

 

Abessiner blue, Bildquelle: fotolia.com

Früher Red - heute Sorrel

Der Farbschlag, den wir heute Sorrel nennen, hieß bis vor nicht allzu langer Zeit in England sowie in amerika "Red" und in Deutschland "Rot". Mit fortgeschrittenem genetischen Wissen hat man erkannt, dass  es sich bei diesem "Aby-Red" nicht um das gleiche Rot handelt, das bei Katzen geschlechtsgebunden vererbt wird. Das "Aby-Red" wurde dann "Sorrel" genannt und ist identisch mit der Farbe, die bei anderen Rassen heute Cinnamon heißt.

Cinnamon bzw. Sorrel ist ein zimtfarbenes, helles Braun. Das genetische Symbol ist bl - brown light.

Sorrel verhält sich rezessiv zu allen anderen Farben der Eumelaninserie.

Leider wird der alte, falsche Name "Red" in vielen Standards bis heute immer noch aufgeführt und sorgt für Verwirrung bei neuen Katzenzüchtern.

 

Abessinier-Tabby

Abessiniertabby, diese besondere Form der Tabbyzeichnung, ist ein auf Streifenfreiheit selektiertes, modifiziertes Ticked-Tabby. Das Gen-Symbol für Ticked-Tabby ist Tª. Das hochgestellt "a" steht für Abessinier, denn durch die Abessinierzucht wurde dieses Tabbymuster bekannt.

Ticked-Tabby ist dominant über alle anderen Tabbymuster wie Blotched-, Mackerel- oder Spotted-Tabby.

 

 

Neue Erkenntnisse über die Genorte von Tabbymustern - weiterlesen ...  

 

Was unterscheidet Ticked-Tabby von Abessinier-Tabby?

Zu den verschiedenen Tabbymustern, die sich hauptsächlich durch die unterschiedlichen Zeichnungen am Körper unterscheiden, gehören stets Streifen an den Beinen, am Schwanz, im Gesicht und am Hals.

Das Abessinier-Tabby entstand, in dem man durch konsequente Selektion diese Streifen eleminierte. Nur auf der Stirn blieb als rudimentäre Tabbyzeichnung ein zartes "M" erhalten.

 

Durch so viel Selektion gegen Tabbyzeichnung verschwand auch ein Tabbymerkmal, auf das der englische Abessinierstandard gesteigerten Wert legt, nämlich auf die Sohlenstreifen der Hinterbeine, die die Farbe des Zeichnungsmusters tragen sollen. Bei den meisten Abessiniern sieht man anstelle eines durchgefärbten Sohlenstreifens leider nur noch einen Sohlenfleck.

 

Das Ticking im Ticked-Tabbymuster entsteht durch zwei- bis dreifache hell-dunkel Bänderung des einzelnen Haares. Der Haaransatz soll die Agoutifarbe haben, die Haarspitze die Zeichnungsfarbe und dazwischen soll das Haar möglichst oft gebändert sein. Im Idealfall sind die einzelnen Farbzonen gleich breit und scharf voneinander getrennt. Ein fließender Übergang, ein schwacher Kontrast oder eine helle Haarspitze ergeben ein unbefriedigendes Ticking. Je stärker der Kontrast zwischen Agoutifarbe und Zeichnungsfarbe, desto imposanter ist das Ticking.

 

Die Bänderung im Haar muss deutlich sein

Wenn sorrel Abessinier die Agoutifarbe tief apricosenfarben zeigen, ist der Kontrast zur zimtfarbenen Zeichnungsfarbe oft nicht mehr sehr beeindruckend. Natürlich ist eine strahlend kupferrote Körperfarbe von großer Wichtigkeit, aber der Kontrast zwischen den einzelnen Bändern, der gerade ein besonders schönes Ticking auszeichnet, darf nicht außer Acht gelassen werden.

Schwache Streifen an den Beinen oder eine Halskette fallen bei diesem Farbschlag meistens weniger auf als bei der wildfarbenen Version.

 

Das Fell der Abessinier

Das Haarkleid der Abessinier stellt eine ausgewogene Kombination von Woll-, Leit- und Grannenhaar dar. Es soll kurz sein, gut anliegen und sich weich anfühlen. Offenes Fell mit zuviel Unterwolle ist ebenso unerwünscht wie extrem eng anliegendes Fell, das fast keine Unterwolle zeigt.

 

 

Abessinier wildfarben, Bildquelle: fotolia.com
Abessinier wildfarben

 

 

Fawn hat schwachen Kontrast

Bei fawn Abessiniern ist der Kontrast zwischen Agoutifarbe und Zeichnungsfarbe am schwächsten. Ganz problematisch kann eine Farbbestimmung zwischen Fawn und Fawn Silver werden, wenn einerseits das Silver nicht klar genug ist und andererseits die Agoutifarbe im jugentlichen Alter, nämlich genau dann, wenn die Farbbestimmung vorgenommen werden muss, noch sehr hell ist.

 

Die Farbe am Haaransatz bei wildfarbenen Abys ist problematisch

Das größte Problem bei wildfarbenen Abessiniern ist der graue Haaransatz. Man muss schon einen geschulten Blick haben, wenn man bei sorrel Katzen ein unerwünschtes, aschiges Orange am Haaranstz entdecken will, während bei den wildfarbenen der graue Haaransaz sofort ins Auge springt. Am schwierigsten zu eleminieren ist er an den Ellenbogen, an den Schultern, am Ende der Oberschenkel und an der Brust.

Zeigen wildfarbene Abessinier alters- oder krankheitsbedingt am ganzen Körper einen grauen Haaransatz, gehören diese Tiere nicht auf eine Katzenausstellung.

 

Im Wildtyp hat eine Tabbykatze stets einen mausgrauen Haaransatz. Ein Haaransatz in der entsprechenden Agoutifarbe ist ein Privileg der Rassekatzen, der nur durch Selektion erzielt wird.

 

Blaus Abessinier haben auf dem Rücken meistens einen zu hellen Haaransatz, obwohl der Bauch und die Innenseiten der Beine meistens die gewünschte Hafermehlfarbe zeigen.

 

Unerwünschte Streifenzeichnung an den Vorderbeinen und Halsketten haben die Züchter bei fast allen Farbschlägen gut eleminiert. Manchmal sieht man noch Streifen bei sehr kräftig gefärbten wildfarbenen Tieren und Halsketten bei den verschiedenen Silver-Variationen.

 

Abessinier, wildfarben, Kitten, Bildquelle: © Ulf - Fotolia.com
Abessinier, wildfarben - Kitten

Ticking entwickelt sich langsam

Neugeborene Abessinier haben noch kein Ticking. Der Rücken und das Käppchen auf dem Kopf erscheinen einfarbig in der Zeichnungsfarbe. Die Unterseite des Körpers und des Schwanzes sowie die Innenseitte der Beine sind deutlich heller. Erste Anzeichen von Ticking kann man etwa in einem Alter von vier bis sechs Wochen beobachten. Bis sich die Farbe vollständig entwickelt hat, vergehen mitunter anderhalb bis zwei Jahre. Das Ticking zeigt sich auf der Körperoberseite und nimmt an den Seiten allmählich ab, um auf der Körperunterseite einschließlich Schwanzunterseite und an den Innenseiten der Beine in die Agoutifarbe überzugehen. Am schönsten ist das Ticking, wenn mindestens die Hälfte der gesamten Haarlänge Bänderung zeigt.

 

Pumazeichnung im Gesicht

Phantasievolle Abessinierbesitzer sehen in ihren Katzen einen Mini-Puma fürs Wohnzimmer. Der Puma-Endruck entsteht in erster Linie durch die Zeichnung im Gesicht, aber auch durch diekupferrote bis goldbraune Fellfarbe. Genauso wie der Puma, hat auch die Abessinierkatze oberhalb der Augen je einen senkrechten, dunklen Strich, eine helle "Brille" um die Augen und weiße Dreiecke unterhalb der Nasenflügel - Markierungen, die zweifellos an eine Wildkatze erinnern.

 

Neue Tendenzen zeigen, dass Tiere mit gefärbtem Kinn solchen mit hellem Kinn vorgezogen werden. Eigentlich ist das schade, denn dadurch entfernen sie sich immer mehr von der Pumazeichnung. Der Standard schreibt nicht vor, dass dieses Gebiet gefärbt sein muss. Es heißt lediglich, dass sich der weiße Bereich nicht auf den Hals erstrecken darf. Wird das Gesicht einer sorrel Katze zu einfarbig, verliert es den wilden Ausdruck.

 

Die Augenfarben der Abessinier

Der Abessinier-Standard läßt verschiedene Augenfarben zu von amber/bernstein über haselnussfarben bis grün. Leider wird bei der Zucht zu wenig Wert auf eine klare, einfarbige Augenfarbe gelegt, so wie der Standard sie fordert. Würde man gezielter Tiere mit gleicher Augenfarbe untereinander paaren, würde das Ergebnis einfarbig ausfallen und nicht zweifarbig gelbgrün, so wie man es im Moment recht häufig sieht.

 

 

Abessinier wildfarben, Bildquelle: fotolia.com
Abessinier wildfarben

 

 

Silver schafft Probleme

Die ursprünglichen Farbschläge, Wildfarbe und Sorrel, waren zu jeder Zeit populär. Siberfarbschläge sind in den 90er Jahren wieder in Mode gekommen. Der Standard schreibt jetzt strenge Maßstäbe vor. Das Silber muss völlig klar sein, gelb pigmentierte Stellen sind unerwünscht. Leider "arbeitet" das Inhibitor-Gen, der Melaninhemmer, der den Silberfarbschalg hervorruft, nicht immer 100%ig und es bleiben bräunlich gelbe Schattierungen im Fell. Gewöhnlich wird das Silber erst durch gezielte Selektion schön hell. Durch diese Selektion wird aber auch ein verkängerter Silberanteil hervorgerufen, wodurch dann die eine oder andere Bänderung verschwindet. Es ist wirklich nicht einfach, ein sauberes Silberfell mit mehrfachem Ticking zu erhalten.

 

Bei den Black-Silver Abessiniern fallen die gelblichen Pigmentreste im Fell noch stärker auf als bei den Sorrel-Silber Katzen. Außerdem zeigen die silberfarbenen Abessinier augenblicklich noch zu gerade Nasenlinien und etwas sehr orientalische Körperproportionen, die sich noch zu Gunsten des afrikanischen Typs (elegant-schlank, aber nicht extrem) verändern müssen.

 

Farbbestimmung bei Silver oft schwierig

Probleme schaffen die Silber-Farbschläge auch bei der Farbbestimmung. Das Inhibitor-Gen neigt dazu, das Melanin in den Haarspitzen zu komprimieren, so dass hier die Farbe intensiver als gewöhnlich erscheint. Es ist manchmal nicht einfach, Sorrel-Silver von Fawn-Silver zu unterscheiden. Als Hilfe muss man die Fußballen mit einbeziehen..

 

Es ist wirklich zu begrüßen, dass der Farbschlag Crea-Silber noch nicht anerkannt ist. Eine Unterscheidung zwischen Fawn-Silver, Lilac-Silver und Cream-Silber könnte fast unmöglich werden, weil man den großen Farbnuancierungen innerhalb der einzelnen Farbschläge auch Rechnung tragen muss.

 

Woher kommt das Ticking?

Auf der Suche nach dem Ursprung wird man zu den altägyptischen Wandmalereien geführt. Hier findet man neben den afrikanischen Falbkatzen auch die Rohrkatze. Obwohl sich die ca. 6-9 kg schwere Katze mit dem streifenfreinen, braunrötlichem Agoutifell und den  ca. 1,5 cm langen Ohrpinselchen gewöhnlich im Schilfdickicht von Flüssen oder Seen aufhält, meidet sie die Nähe menschlicher Siedlungen nicht. Außerdem läßt sich die Rohrkatze auch gut zähmen. Ausgrabungen aus dem Mausoleum zu Bubastis beweisen, dass Schädelformen der Nubischen Katze, der Rohrkatze und von einer dritten Form zutage gefördert wurden.

Haben die Abessinier das Ticking durch die Rohrkatze, die sich vielleicht mit der gestreiften Felis sylvestris lybica paarte? Sind etwa die kleinen Ohrbüschel, die manchmal die Ohren der Abessinier zieren, auf diese Kreuzung zurückzuführen? Oder ist alles nur Stoff, aus dem die Träume sind.

 

Krankheiten durch Inzucht

Wegen der zu engen Verpaarungen in den Angangszeiten der Abessinierzucht haben sich verschiedene Krankheiten in die Rasse dieser bezaubernden Tiere eingeschlichen. An erster Stelle ist PRA, die progressive Retina Atrophie, zu nennen. Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine degenerative Veränderung der Netzhaut, die zu Blindheit bei dem betroffenen Tier führt. Sie vererbt sich autosomal rezessiv, und sie ist daher als besonders heimtückisch anzusehen. Zwei offenbar gesunde Tiere können PRA-befallene Kitten erzeugen. Oft bemerkt der Züchter erst durch die erkrankten Kitten, dass der Zuchtkater und die Zuchtkatze Träger dieser Krankheit sind. Heute weiß man um diese Tragik. Abyzüchter sind gewöhnlich sehr aufgeschlossene, dynamische Leute. Viele Züchter lassen einen PRA-Test vom Tierarzt bei ihren Katzen durchführen, bevor sie die Tiere zur Zucht einsetzen. Dadurch haben sie diese heimtückische Krankheit gut in den Griff bekommen.

 

Von der Patella-Luxation ist diese Rasse leider auch nicht verschont geblieben. Bei den erkrankten Katzen springt die Kniescheibe aus ihrer eigentlichen Stellung und die Tiere können plötzlich nicht mehr laufen. Die Verbreitung der Krankheit ist noch nicht vollständig geklärt. Einige Züchter sind der Meinung, dass es sich um eine polygenetische Vererbung handeln könnte. Gewissenhafte Abessinierbesitzer züchten erst, nachdem der Tierarzt einen negativen PL-Test bescheinigt hat.. Denn auch augenscheinlich gesunde Tiere, die ganz normal laufen und springen, können von der Krankheit befallen sein.

 

Ein ganz moderner Schönheitsfehler ist die Kinnakne, mit der viele Abessinier zur Zeit zu kämpfen haben. Es handelt sichdabei um kleine schwarze Mitesse am Kinn, die sich zu hartnäckigen Pusteln entwickeln können, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.

 

Alle zuvorgenannten Krankheiten können auch in jeder anderen Rasse auftreten, aber bei den Abessiniern sind sie augenblicklich am meisten vertreten.

 

Zauberhaftes Wesen

Die engen Verpaarungen haben den Abessiniern nicht nur negative, sondern auch positive Effekte beschert. Neben der harmonischen, eleganten Schönheit ihres Körpers haben sie so ein bezauberndes Wesen bekommen, wie man es bei keiner anderen Rasse wiederfindet.

 

Selbstbewußt, liebenswürdig, fast aufdringlich anschmiegsam, aufgeweckt, intelligent, aristokratisch, einfach göttlich - das sind Abessinier!

 

Wurden ihnen diese phantastischen Charaktereigenschaften etwa schon von den Kultpriestern in die Wiege gelegt, die dafür bekannt waren, dass sie eine Auslese von Katzen mit sanftem Charakter vorzunehmen wußten?

 

Abessinier bilden eine große Familie

 

Durch Importe von USA nach Europa einschließlich Skandinavien und umgekehrt, kann man nur wenige Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Abessiniern bemerkne. Im großen und ganzen sind die Abessinier weltweit miteinander verwandt und bilden eine große Familie deren Geburtsland England heißt.

 

 

Quellenhinweis:

Abessijnen en Somali´s von Jean-Paul Maas, 1981, ISBN 90 6248 291 0

 

 

Diesen Artikel habe ich 1994 für das Magazin "Katzen Extra" geschrieben.

Text © Birgitta, 1994

 

Abessinier wildfarben, Bildquelle: fotolia.com
Abessinier wildfarben, Jungtier

 

 

Die Abessinier sind eine der ältesten Rassen der Zuchtgeschichte

 

Wenn Du noch mehr über Abessinier wissen willst, empfehle ich Dir das:

Für  das Sonderheft "Katzen Extra Spezial" habe ich im Juli 1994 folgenden Artikel über Abessinier-Katzen geschrieben:

 

Sie wissen, dass sie schön sind ... 

 

"Abessinier-Katzen" von Birgitta Kuhlmey
Rassebeschreibung, Katzen Extra Spezial, 01/94
Dokument2.pdf
Adobe Acrobat Dokument 4.5 MB

 

Katzen kostenlos mit Foto im Internet ausstellen bei

www.katzenshow.com

 

Logo von www.katzenshow.com, Katzen kostenlos im Internet ausstellen, Bildquelle: fotolia.com

 

 

©Birgitta Kuhlmey 

Alle auf dieser Homepage verwendeten Texte, Fotos und grafischen Gestaltungen sind urheberrechtlich geschützt. Sollten Sie Teile hiervon verwenden wollen, wenden Sie sich bitte über das Kontaktformular an mich.