Diesen Artikel habe ich für das Magazin Katzen Extra Spezial (Ausgabe (01/1994) geschrieben.
Rasseportrait "Tonkinese-Katze" von Birgitta Kuhlmey
Tonkinesen sind kurzhaarige Maskenkatzen. Sie entwickelten sich in den 60er Jahren aus zwei bereits etablierten Rassen, nämlich aus Siamesen und Burmesen. Ihre rassetypischen Merkmale sind die bläulich grünen Augen und die spezielle Farbe ihres Haarkleides.
Die besondere Fellfarbe der Tonkinesen
Genau wie Siamesen und Burmesen gehören Tonkinesen genetisch gesehen in die Gruppe der Albinoserie. Das Haarkleid er Toninesen ist nicht vollständig pigmentiert. Die Gesichtsmaske, die Ohren, der Schwanz, die Beine und bei Katern der Hodensack, die sogenannten Points, sind stärker pigmentiert als der Rumpf. In Bezug auf Fell- und Augenfarbe stehen Tonks genau zwischen Burmesen und Siamesen. Sie stellen das klassische Beispiel für eine intermediäre Vererbung und unvollständige Dominanz dar.
Fellpigmentierung der Tonkinesen
Burmesen mit Genotyp cbcb können mehr Pigment ausbilden als Siamesen mit Genotyp cscs.
Tonkinesen haben den Genotyp cbcs.
Sie haben ein Allel für Burmapigmentierung cb und ein Allel für Siam-Pigmentierung cs. Farblich durchsetzten kann sich weder das cb noch das cs Allel. Dadurch entsteht die in der Katzenwelt einzigartige Fellfarbe der Tonkinesen. In Amerika denn man sie mink-farben. Mink heißt Nerz und trifft aber nur die Farbe des schwarzen Genotyps der Tonkinesen.
Augenpigmentierung der Tonkinesen
Der Genotyp cbcs beeinflußt auch die Augenfarbe. Siamkatzen haben blaue, Burmesen haben gelbe Augen. Die Augenfarbe der Tonks liegt genau dazwischen. Man kann sie als grünlich blau oder blau-grün bezeichnen. In Amerika nennt man die Farbe der Augen aquamarine. Man sieht so eine Farbe, wenn man in ein tiefes Gewässer schaut. Je nach Lichteinfall erscheint sie grünlich blau oder bläulich grün, wobei die jeweils zuerst genannte Farbe minimal stärker in Erscheinung tritt.
Tonkinesen - Vererbung der Fellfarbe
Die besonderen Farben der Tonks sind als Rassemerkmal ihr Vorteil, aber bezüglich der Vererbung ihr Handicap.
Paart man Tonkinesen untereinander, also
cbcs mal cbcs,
so erhält man nach den Mendelschen Regel
50% Tonkinesen, Genotyp cbcs,
25% Tonkinesen mit Siam- Pigmentierung, Genotyp cscs und
25 % Tonkinesen mit Burmapigmentierung, Genotyp cbcb.
Will man einen Wurf haben, der nur aus Tonkinesen bestehen soll, muss man Toniknese Burma-Variant mit Tonkinese Siam-Variant paaren.
Tonkinese Burma-Variant cbcb
mal
Tonkinese Siam-Variant cscs
=
100 % Tonkinese cbcs
Tonkinesen-Varianten haben keinen Champion-Status
Leider haben die Tonkinesen mit Siam- und Burma-Pigmentierung bis heute bei den meisten Katzenvereinen keinen Champion-Status. Sie leisten zwar als Zuchttiere wertvolle Beiträge, können aber keine Titel auf Ausstellungen erwerben.
Negatives Image der Tonkinesen-Varianten
Ziemlich unangebracht und sogar abträglich für die Rasse ist das negative Image der Siam- und Burma-pigmentierten Tonkinesen in der Katzenwelt. Von den meisten Leuten, die sich mit der Katzengenetik nicht ausreichend befaßt haben, werden sie als schlecht typierte Siamesen oder Burmesen belächelt.
Durch die Entstehungsgeschichte sind die Tonkinesen stark belastet. Fast jeder mittelmäßig informierte Rassekatzenliebhaber weiß, dass diese Katzen aus Siamesen und Burmesen entstanden sind. Aber, dass die Züchter in über 30 Jahren konsequenter Selektion den Typ der Tonkinesen, das heißt die Körperformen und -proportionen sehr gut gefestigt haben, wissen die wenigsten.
Die Aufspaltung der Tonkinesen in die verschieden starken Pigmentierungsvarianten, in Siam- und Burma-Varianten, bedeutet nämlich nicht gleichzeitig die Aufspaltung in verschiedene Körperformen und -proportionen, sprich verschiedene Rassen. Das ist ein wichtiger Aspekt über den man sich im Klaren sein muss, wenn man über Tonkinesen diskutieren will.
Tonkinesen, die heute einen Vollstammbaum haben, stammen mindestens aus der fünften Generation ihrer Rasse. Tonks, die weniger als fünf Generationen aufweisen können, haben gewöhnlich Experimentalstammbäume.
Der Ursprung der Tonkinesen
Katzen mit Tonkinesen-farbenen Fell sind schon aus den Anfängen der Katzenzucht bekannt. Im 19. Jahrhundert wurden sie auf englischen Katzenausstellungen unter dem Namen Golden Siam oder Chocolate Siam ausgestellt.
Aus den Unterlagen der Burmazucht ist zu entnehmen, dass Won Mau, die erste Burmaktze, die 1930 aus Rangun (Burma) nach Amerka importiert wurde, kein burma-braunes Haarkleid hatte. Ihr Fell hatte die Farbe, die man heute in Amerika natural-mink und in England Tonkinesen-braun nennt. Zu Anfang der Burmazucht hatten viele Tiere, die als Burmakatze registriert waren, in Wirklichkeit Tonkinesen-farbene statt Burma-farbene Haarkleider. Genau aus diesem Grunde hat die CFA (Cat Fanciers Association) in den späten 40er Jahren der Champion Status der Burmesen vorübergehend für ungültig erklärt.
Der Name der Tonkinesen
Der Name der Tonikesen wurde Anfang der 60er Jahre von amerikanischen Züchtern kreiert. Er bezieht sich auf den Golf von Tonkin im Südchinesischen Meer, der gegenüber dem Golf von Bengalen und der Küsten von Burma (Birma) und Siam (Thailand) liegt. Der Name soll eine Verbindung zu den Vorfahren herstellen und veranschaulichen, dass Tonkinesen zwar einige Qualitäten von Siamesen und Burmesen aufweisen, jedoch eine eigenständige Rasse repräsentieren.
Zu jener Zeit entwickelten einige amerikanische und canadische Katzenzüchter eine Menge Enthusiasmus und begannen die Zucht der Katzen mit dieser einzigartigen Fellfarbe. Sie waren damals schon davon überzeugt, dass man den Typ der Tonks gleichbleibend züchten kann, aber nicht die Farbe.
Zu den erfolgreichsten Züchtern hegört Mrs. Margret Conroy aus Ontario, Canada. Sie züchtete bereits vor 1965 Tonkinesen. Die CCA (Canadian Cat Association) war die erste Organisation, die ihre Mühe belohnte und die Rasse zum Champion Wettbewerb zuließ.
1975 wurde die Rasse in den USA von der CFF (Cat Fanciers Federation) anerkannt und von der CFA (Cat Fanciers Association) zur Registration zugelassen. Aber erst 1984 bekamen die Tonkinesen in dieser Organisation den Champion-Status.
In Großbritannien wurden sie im Mai 1991 vom GCCF (Governing Council of the Cat Fancy) anerkannt. Dort entstand in den 80er Jahren der erste europäische Tonkinesen Katzenklub, The Tonkinese Breed Club.
Kurze Zeit später findet man auch in Deutschland vereinzelt Importkatzen aus England und Amerika.
Der Trend zu intermediären Körper- und Kopfformen, der dem Schönheitsempfinden von Katzenliebhabern mehr gerecht wird als extreme Formen, läßt sich nicht verheimlichen. Deshalb werden Tonkinesen mit ihren harmonischen Kopf- und Körperproportionen sicherlich schon bald einen festen Platz in der europäischen Katzenszene einnehmen.
Aussehen der Tonkinesen
Der Gesamteindruck der Tonkinesen ist der einer gut proportionierten Katze von gemäßigt schlankem Typ.
Tonkinesen sollen typmäßig zwischen Burmesen und Siamesen liegen, von denen ihre Rasse abgeleitet wurde.
Kopf
Gut breit zwischen den Ohren, leicht gerundeter Schädel, modifizierter Keil von mittleren Proportionen. Schnauze weder zu spitz noch zu breit. Deutlicher, aber nicht übertriebener Whiskerpinch (Einkerbung zur Formung der Schnauze). Das Profil zeigt eine leichte Naseneinbuchtung, einen ebenen Biß und ein Kinn von mittlerer Tiefe.
Ohren
Mittelgroß, nach vorne geneigt, etwas länger als breit, breit an der Basis, die Enden oval abgerundet. Die Basis ist sowohl seitlich wie auch auf dem Kopf angesetzt, die äußere Linie folgt der Wangenlinie.
Augen
Mehr offen in der Form als orientalische Augen, aber nicht rund, mittelgroß, die obere Linie verläuft nach orientalischer Art in Richtung Nase, die untere Linie ist gerundet. Die augen sind gut auseinander plaziert. Die Augenfarbe ist blaß grünlich-blau oder vorzugweise bläulich-grün, erlaubt ist ein Bereich von grün bis hellblau, aber orange, gelbe und tiefblaue Augenfarbe kann nicht akzeptiert werden. Eine unvollständige Entwicklung der Augenfarbe findet man bei Kitten.
Körper
Mittellang bis lang, gut ausgewogen, fest und muskulös. Brust im Profil leicht gerundet, mittellanger Hals.
Beine und Pfoten
Schlanke Beine, muskulös und in Proportion zum Körper, die Hinterbeine etwas länger als die Vorderbeine. Pfoten zierlich und oval.
Schwanz
Er reicht vorzugsweise bis zur Schulter, ist weder dick noch peitschenförmig.
Fell
Anliegend und kurz, fein, weich, seidig mit glänzendem Schimmer.
Tonkinesen - Fellfarbe
Die Points - Make, Ohren, Beine und Schwanz - sind deutlich dunkler als die Körperfarbe, sie verschmelzen sanft ohne scharfen Kontrast. Die Körperfarbe ist gleichmäßig, ohne Zeichnung und wird in Richtung Unterseite allmählich etwas heller. Außer bei Red und Cream sind keine Streifen erlaubt. Geisterzeichnung ist bei Kitten in allen Farben erlaubt. Keine weißen Haare.
Temperament
Tonkinesen sind lebhaft, neugierig und sehr freundlich.
Tonkinesen - Namen der Fellfarben
Natural Mink oder Seal Mink
Blue Mink
Chocolate Mink oder Champagner Mink
Honey Mink oder Cinnamon Mink
Fawn Mink
Red Mink
Cream Mink
Bezeichnungen der Fellfarben am Colorations-Locus
Fellfarben der Tonkinesen
Tonkinesen - untereinander verpaart - können bei entsprechendem genetischen Hintergrund eine faszinierende Farbpalette liefern.
Die folgende Tabelle, die sich nur auf Eumelanin-Farben bezieht, soll das verdeutlichen.
Es ist zu beachten, dass sich die Ergebnisse aus den Verpaarungen nicht unbedingt auf einen einzigen Wurf beziehen müssen.
Aus eine Verpaarung von Natural Mink mit Natural Mink resultieren entweder die Chocolate-/Lilac-Farben oder die Cinnamon-/Fawn-Farben, aber nicht beide innerhalb eines einzigen Wurfes.
Bei Blue Mink mal Champagne Mink kann allerdings die ganze Farbpalette innerhalb eines einzigen Wurfes fallen.
Vererbung der Fellfarben - Tonkinese x Tonkinese
Da die Tabellen schlecht lesbar sind, biete ich sie hier als PDF-Datei an:
Vererbung der Fellfarben (Eumelanin) Tonkinese x Tonkinese
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Vielen Dank an
Frau Monika Wernli, CH, Nashira´s Cattery und
Frau Silvia Kraus, Cattery von der Mozarthöhe
für die Bereitstellung der Fotos ihrer Tonkinesen-Katzen.
Dieser Artikel wurde in Katzen Extra Spezial, 01/94 veröffentlicht.
Text © Birgitta, 1993
Rassebeschreibung, Katzen Extra Spezial, 01/94
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©Birgitta-2011
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